Fahrrad fahren mit Hund

Neuerdings bin ich wieder stolze Besitzerin eines Fahrrads. Ein solides Teil sollte es sein, mit dem ein Bewegungslegastheniker wie ich klarkommt. Das ist es auch geworden: Sieben Gänge hat es, einen stabilen Rahmen, Rücktritt, weil ich das einfach von meinem ersten Fahrrad aus Schulzeiten so gewohnt bin. "Lutzie" heißt es, und seit heute kann Sandy dank des neu angeschafften Springers am Fahrrad mitlaufen, ohne mich gleich herunterzureißen, wenn sie mal einen abrupten Richtungswechsel anstrebt.

Bis heute habe ich sie an der Joggingleine mitgenommen, was an sich auch okay war, aber der Springer vermittelt mir dann doch mehr Sicherheit.

Ich fühle mich zwar ziemlich sicher, wenn ich mit Sandy unterwegs bin, aber da ich nicht risikofreudig bin, sind wir relativ langsam unterwegs, und im Zweifelsfall halte ich an. Zweifelsfälle sind immer wieder andere Hunde, oder genauer gesagt, deren Besitzer.

Ich glaube, ich mache selbst nicht allzu viel falsch. Ich kündige unser Herannahen durch die Klingel an und bremse ab. Bekommt jemand seinen Hund nicht schnell genug unter Kontrolle, stoppe ich und warte - oder aber ich schiebe. Da Sandy rechts am Fahrrad läuft, fahre ich bei einem entgegenkommenden Hund so weit rechts wie möglich, damit das Fahrrad zwischen Sandy und dem anderen Hund ist. Sandy stört sich beim Vorbeifahren auch nicht an anderen Hunden, und sie ist schlau genug, nicht vor das Rad zu rennen. Ihr Aktionsradius ist durch den Springer ja auch sowieso begrenzt.

Nun sind da aber, wie bereits angedeutet, die anderen.

Einige Situationen wiederholen sich immer wieder:

  1. Da ist der frei laufende Hund, der von Herrchen/Frauchen nicht herangerufen wird, wenn wir uns nähern (durch die Klingel hat man uns aber rechtzeitig - theoretisch - bemerkt). Das kann problemlos über die Bühne gehen, wenn der andere Hund kein Interesse an Sandy hat und stehen bleibt oder in eine andere Richtung geht. Oft genug aber springt mir ein Hund ohne Leine im letzten Moment vor das Fahrrad. Da ich damit rechne, bin ich langsam genug, um rechtzeitig zu bremsen, aber das hätte nicht sein müssen.
  2. Der frei laufende Hund, der es unheimlich lustig findet, bei uns mitzurennen, das Gebrülle von Herrchen/Frauchen konsequent ignoriert und Sandy gut gelaunt immer wieder seitlich anspringt. Und der natürlich nach 200 Metern immer noch an uns klebt, so dass wir letztlich entweder anhalten und warten müssen, bis er endlich umkehrt oder gar MIT IHM zurückfahren müssen...
  3. Der Hund an der Leine, der schon auf 30 Meter Entfernung anfängt, Theater zu machen, wenn er uns sieht. Grundsätzlich kein Problem, Sandy wäre es egal. Aber selbst ihr kann es nicht mehr egal sein, wenn dieser Hund beim Passieren auf sie zuspringt (wenn er denn dank eines besonders ungeschickten Menschen ausgerechnet auch noch auf dem rechten Wegrand steht) und sie dank der fahrlässig lang gelassenen Leine auch noch erreicht. Kaum weniger ätzend ist es, wenn der Hund links von uns steht und mir vor oder in das Rad springt, ebenfalls wegen zu lang gelassener Leine und/oder fehlender Bereitschaft des Menschen, sich mit dem tobenden Tier zwei Meter weiter zurückzuziehen und es ordentlich festzuhalten.
  4. Der Hund an der Leine, Mensch und Hund kommen mir entgegen und gehen so weit rechts wie möglich (von mir aus gesehen). Ich bleibe selbst so weit rechts wie möglich, damit sich dem Gegenüber die Logik erschließt, dass es sinnvoller wäre, wenn er/sie nach links herüberschwenkt, damit das Fahrrad zwischen den Hunden ist und ich nicht links an ihnen vorbei muss und somit beide Hunde zwangsläufig aufeinander prallen. Man ahnt es - einige bleiben konsequent rechts, mir bleibt keine Wahl, als weiter links zu fahren und *zack* macht der andere Hund Sandy an, sie bleibt abrupt stehen, um zurückzublaffen, und ich liege beinahe auf der Nase.

Großartig. Immerhin aber tatsächlich berechenbar, und daher weiß ich eigentlich immer vorher schon, was uns nun wieder blüht.
Fairerweise muss ich aber natürlich auch sagen, dass die meisten Hundebesitzer sehr nett sind und ihren Hund, falls nötig, kurz anleinen und uns vorbeilassen.

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Kommentar von Jaykay |

Interessant, dass ein(e) Hundehalter(in) auf diese Weise zum/zur Radfahrer(in) wird und die Probleme, die sich aus den Begegnungen mit Hunden und deren Haltern (was leider meist nicht Fest-Halten sondern Rumrennen bedeutet) so plötzlich auch aus der anderen Sichtweise beurteilen kann. Dass die Probleme sich durch das Führen eines eigenen Hundes natürlich noch verschärfen, kommt noch hinzu. Aus jahrzehntelanger Erfahrung kann ich sagen, dass man als Radfahrer keine Logik bei Begegnungen mit Fußgängern und Hunden erwarten darf. Fährt man rechts wechselt das Hindernis nach links und umgekehrt. Klingelt man nicht, wird man angeschnauzt mit haben Sie keine Klingel. Klingelt man doch, springen alle grundsätzlich im letzten Augenblick ohne zu schauen in die falsche Richtung und zwingen so zur Vollbremsung. Klingelt man frühzeitiger, dann hört man nichts. Klingelt oder hupt man laut, heißt es Huch! Haben Sie mich aber erschreckt! oder man fühlt sich bedrängt und macht absichtlich keinen Platz. Wie mna es also macht, macht man es verkehrt. Und mit Hund am Rad kann man noch sehr viel mehr verkehrt machen. Ich persönlich würde das hohe Risiko, einen Hund mit dem Rad auszuführen, wohl nicht eingehen. Obwohl der Hund damit sicher mehr Bewegung bekommt, als beim üblichen Schleichgang ummen Block.