Laufen mit Hindernissen

Neulich war ich endlich wieder laufen, nachdem ich eine Woche lang geschwänzt hatte. Große Ziele hatte ich mir gesteckt, denn ich wollte ungefähr die gleiche Strecke schaffen wie bei meinem persönlichen "Rekordlauf" über 6,1 km.



Es war kein Zuckerschlecken. Es fing schon damit an, dass ich trotz schönstem Sonnenschein ÜBERHAUPT GAR KEINE Lust hatte. Dieses Hindernis konnte ich mit der Augen-zu-und-Schuhe-an-Technik einigermaßen überwinden.

Nach den ersten Metern spürte ich einen leichten Schmerz in der rechten Kniekehle. Dieser wurde allerdings schon nach etwa 400 m von Seitenstichen abgelöst - wie ärgerlich, dabei habe ich mit Seitenstichen eigentlich nur sehr selten Probleme. Schließlich laufe ich sehr langsam und achte auf meine Atmung. Nun, da habe ich wohl etwas falsch gemacht.

Wie auch immer, ich lief weiter und wurde nach etwa zwei Kilometern von der ersten Frustwelle gepackt. Eben weil ich wusste, dass ich erst zwei Kilometer geschafft hatte und eigentlich am liebsten direkt wieder nach Hause gelaufen wäre. Ich hielt durch und konnte eine Weile ohne Seitenstiche oder andere Ärgernisse weiterlaufen. Als ich ungefähr an dem Punkt war, der am weitesten entfernt von Zuhause liegt, ging plötzlich mein MP3-Player aus. Panik! Ich war überzeugt, ohne Musik keine 100 m mehr zu schaffen. Glücklicherweise ließ er sich wieder einschalten und entschied sich in seinem Shuffle-Modus für Michael Jackson's "Bad". Nix gegen den Song, ich mag ihn auch nach so vielen Jahren immer noch, also ließ ich ihn laufen.

Zwei Songs später ging der Player wieder aus. Hätte ich doch vorher mal den Batteriestatus gecheckt! Naja, er ließ sich ein zweites Mal wieder einschalten und startete - mit "Bad". Super. Ich schlug den Weg gen Heimat ein, war zwischendurch immer wieder versucht, an einem Kiosk anzuhalten und mir etwas zu trinken zu kaufen, denn mein Durst wurde immer quälender.

Der Player ging wieder aus, ich machte ihn wieder an: "Bad". Für einen Schreikrampf hatte ich nicht genug Luft. Der leichte Schmerz in der Kniekehle kehrte zurück. Ein älterer Herr auf einem Fahrrad hielt an und quasselte drauflos. Player aus, nett zuhören, nicken, weiterlaufen. Player an: "Bad".

Auf den letzten eineinhalb Kilometern gesellte sich zum Kniekehlenschmerz noch ein Hämmern im Kopf - die Sonne scheint einem ja immer dann auf die Rübe, wenn man es gerade nicht gebrauchen kann.

Irgendwie schaffte ich es, mich bis nach Hause zu quälen. Die Belohnung für all die Torturen bekam ich dann später beim nachträglichen Ausmessen der Strecke: 7,4 km. Rekord gebrochen. Stolz! Das hätte ich mir eigentlich nie zugetraut.

Allerdings habe ich nach diesem wenig schönen Lauf ein bißchen Angst, eine noch längere Strecke zu wagen. Wenn das wieder so unschön wird ...?

Zur Vorbeugung werde ich dann jedenfalls eine frische Batterie in meinen Bad-Player MP3-Player legen, etwas zu trinken mitnehmen und quasselnde Spaziergänger und Fahrradfahrer ignorieren. Dann kann es eigentlich nur halb so schlimm werden. ;o)

Kommentar abgeben