Parken an abgesenkter Bordsteinkante

... ist verboten, ganz klar. Ebenso vor Grundstücksein- oder -ausfahrten. Das regelt die StVO in § 12. Ganz so einfach ist es aber nicht immer. Die folgende Geschichte könnte auch heißen: "Wer anderen eine Grube gräbt ..." - der hat ein Grubengrabgerät oder ganz hinterlistige Absichten.



Folgendes trug sich zu an jenem Abend, an dem das Ruhrgebiet im Januar 2009 langsam unter einer stetig wachsenden Schneedecke versank:

Frau U. (Name geändert) fuhr mit ihrem Auto zu ihrer Freundin und fand nach einiger Suche endlich einen Parkplatz. Sie vergewisserte sich, dass ihr Wagen nicht in die bereits vom Schnee geräumte Grundstückszufahrt des Nachbarhauses hineinragte und begab sich danach für ein paar Stunden in die Wohnung der Freundin. Als Frau U. schließlich zu ihrem Auto zurückkehrte, entdeckte sie unter ihrem Scheibenwischer einen polizeilichen Vermerk, machte sich aber zunächst keine Gedanken darüber, denn ein Parkverbots-Schild gab es nicht.

Frau U. bekam einige Tage später Post von der Polizei und sollte Strafe für das Parken vor einer abgesenkten Bordsteinkante zahlen.

Was Frau U. an jenem Abend entgangen war: Sie hatte vor einer Grundstücksausfahrt geparkt. Die Mieterin, nennen wir sie Frau M., hatte daraufhin die Polizei gerufen.

Bis hierhin hat offenbar noch alles seine Richtigkeit. Natürlich würde ich diese Geschichte nicht erzählen, wenn sie nicht einige dicke Haken hätte.
1. An besagtem Abend war die Schneeschicht bereits mindestens 15 cm hoch. Frau M., die Mieterin, hatte den Schnee nicht geräumt, weder auf dem Gehweg noch in ihrer Ausfahrt. Die abgesenkte Bordsteinkante war dadurch also gar nicht erkennbar.
2. Die Ausfahrt war von einem Holztor verschlossen, das nicht erkennen ließ, dass es sich um eine Ausfahrt handelte. Auf diesem Holztor ist zwar ein Schild "Ausfahrt freihalten" angebracht, allerdings war es an dem Abend zugeschneit und damit ebensowenig sichtbar wie die abgesenkte Bordsteinkante.
3. Die abgesenkte Bordsteinkante ist keine und existiert offenbar nur in der Fantasie der Mieterin. Frau U. konnte sich, nachdem der Schnee getaut war, selbst davon überzeugen, dass sich vor der Ausfahrt ein Bordstein befindet. Ohne Absenkung.

Bis hierhin schon ein Kopfschütteln wert, oder? Aber es kommt ja noch besser.

Frau U. erhielt auch noch Post von Frau M. In diesem Brief erklärte die gute Dame, sie habe an jenem Abend einen wichtigen Termin gehabt. Da die Zeit angeblich zu knapp war, um einen Abschleppwagen zu rufen, verständigte Frau M. die Polizei und rief sich anschließend ein Taxi, um zu ihrem Termin zu gelangen. Das behauptet sie zumindest. Dem Brief fügte sie zwei Taxi-Quittungen über jeweils knapp 14,- Euro bei, die Frau U. umgehend zu begleichen habe.

Frau U. jedoch wurde sogleich misstrauisch. Nicht nur das Taxi-Unternehmen ist ihr bekannt, sondern auch dessen Inhaber, und Frau U. hatte schon genug Taxi-Quittungen gesehen, um zu ahnen, dass an der ganzen Sache etwas sehr faul war. Sie rief also den Taxi-Unternehmer an, der ihr daraufhin ein Exemplar seiner Quittungen zeigte. Und dieses hatte keinerlei Ähnlichkeit mit denen der Frau M.

Bei den Quittungen der Frau M. handelte es sich um auf den ersten Blick um Abrisse aus einem handelsüblichen Quittungsblock. Auf den zweiten Blick aber konnte man erkennen, dass es sich nur um Ausdrucke handelte. Sie trugen keine Unterschrift, und ein gelbes Zettelchen mit den Daten des Taxi-Unternehmens war angetackert. Nach kurzer Internetrecherche ergab es sich, dass es sich bei diesen gelben Zettelchen ganz offenbar um eine Grafik von der Webseite des Taxi-Unternehmens handelte, die in entsprechender 72 dpi-Qualität ausgedruckt worden war.

Ein Schelm, wer nun Böses denkt? Nein, sicher nicht. Die Quittungen waren gefälscht, und das mehr als schlecht. Frau M. wurde nun ihrerseits angezeigt.
Über ihre Beweggründe kann man spekulieren, aber was kann anderes dahinter stecken als Bosheit, gepaart mit Dummheit? Geldgier kann es bei knapp 28 Euro wohl nicht sein.
Traurig: Frau M. ist Lehrerin. Ein Armutszeugnis.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, und ihren Ausgang erwarte ich mit Spannung.

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Kommentar von Ute |

Mir ist es ein Rätsel, warum solche Sachen immer Dir passieren ;-).

Kommentar von Olli |

So ist es eben, wenn man zu gierig ist..

Kommentar von J. |

Wahnsinns Story!!! Hahahah
Auf sowas kommen nur Leute die eindeutig zuviel Zeit haben.

Antwort von Silvi

... uuuuund gleichzeitig auch noch sehr, sehr garstig sind. Aber zum Glück schlägt das Karma ja meistens zurück. :D