Plädoyer für den Second-Hand-Hund

Sicherlich ist der Gedanke an einen süßen kleinen Welpen sehr verlockend. Schaut man sich aber einmal an, wieviele Hunde in den Tierheimen sitzen und in Kleinanzeigen inseriert werden, so sollte man sich zumindest einmal etwas Zeit nehmen und in sich gehen, ob nicht doch ein "gebrauchter" Hund in Frage kommt.



Genau das habe ich im Sommer 2005 getan. Einer der häufigsten Gründe, warum sich jemand gegen einen Hund aus dem Tierheim entscheidet, lautet "Die haben doch alle eine Macke".

Wie schlimm ist denn so eine Macke? Ob ich nun einen Welpen oder einen älteren Hund ins Haus hole - der Zeitaufwand ist so oder so groß. Jeder verantwortungsvolle Hundehalter informiert sich vor der Anschaffung so gut es geht und ist daher auch auf mögliche Probleme vorbereitet.

Ich erinnere mich ziemlich gut an die "Rüpelphase" unseres Deutschen Schäferhunds Aiko (1990-1999), den wir als Welpe kauften. Hätten wir ihn in dieser Phase abgegeben, wäre er nicht weniger Problemhund als andere gewesen. Worauf ich hinaus will: Auch mit einem Welpen muss man meistens durch eine sehr anstrengende Erziehungsphase, und gerade bei weniger erfahrenen Hundehaltern kann sich diese genauso lang hinziehen wie bei einem Hund, den man erst im Erwachsenenalter bekommt.

Das nächste Argument gegen den Hund aus zweiter Hand (auch wenn es niemand gern zugibt): Manche Tierheimhunde sind chronisch krank und benötigen regelmäßig Medikamente. Was das kostet!
Aber auch hier denke ich an Aiko, der noch kein Jahr alt war, als er zum ersten Mal operiert werden musste ... Davor ist man nie gefeit, und auch der beste Stammbaum gibt keine Garantie für jahrelange Gesundheit.

Aiko
Aiko mit neun Jahren - wenig später mussten wir ihn wegen seiner schweren gesundheitlichen Probleme einschläfern lassen. Er litt bereits mit einem Jahr an Arthrose und musste sein Leben lang Medikamente bekommen.

"Ich will meinen Hund aber von klein auf aufwachsen sehen!" Ich gebe zu, das Argument ist unschlagbar, aber wenn wir ehrlich sind, reiner Egoismus. Nicht, dass ich das nicht verstehen könnte! Ich bin manchmal ziemlich traurig, dass ich nie erfahren werde, wie Sandys Eltern und Geschwister aussehen. Auch frage ich mich oft, was sie in ihren ersten elf Lebensmonaten wohl alles erlebt hat. Aber ich kann Euch versichern: Man kann gut mit dieser Ungewissheit leben, denn der Hund ist JETZT da, schaut einen JETZT gerade mit großen Augen an und will gekrault werden. Was zählt da schon die Vergangenheit?

Für mich gab es einige gewichtige Gründe für einen Abgabe-Hund. Zunächst die rein praktischen: Bei einem (fast) erwachsenen Hund erspare ich mir die Thematik um die Stubenreinheit (zumindest ist das bei den meisten erwachsenen Hunden so). Bei einem Mischling - der es in meinem Fall ja unbedingt werden sollte - erwarten mich keine Überraschungen in Punkto Größe; da kann man bei einem Welpen ja nicht immer sicher sein. Und nicht zuletzt hat ein erwachsener Hund bereits einen ausgeprägten Charakter, so dass ich direkt entscheiden kann, ob dieser Hund zu mir passt und ob ich mit seiner eventuellen "Macke" leben kann bzw. mich in der Lage sehe, daran zu arbeiten.

Zugegeben, als wir Sandy holten, war uns nicht ganz klar, wie ausgeprägt ihr Problem mit anderen Hunden war. Ich war jedoch von Anfang an gewillt, mit meinem neuen Hund zu arbeiten und Probleme zu lösen, und das ist mir gelungen!

Natürlich gab es in der Anfangszeit ziemlich verzweifelte Phasen. Wenn man aber erst einmal begriffen hat, dass man in erster Linie an sich selbst arbeiten muss, um den Hund zu verändern, dann geht es vorwärts.

Heute kann ich sagen, dass ich mit Sandy einen wirklichen Traumhund habe. Was ihr anfangs noch gefehlt hat, habe ich "dazugebacken". ;o)
Ich habe die Entscheidung für sie nie bereut und würde es immer wieder tun.

Sandy

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